Dauer eines Scheidungsverfahrens

Oft werde ich nach der Dauer eines Scheidungsverfahrens gefragt. Hierauf kann keine allgemeingültige Antwort gegeben werden, da die Dauer eines Scheidungsverfahren von vielen Variablen abhängig ist.

Die Auskünfte im Zusammenhang mit der Durchführung des Versorgungsausgleichs sind meist zeitaufwändig. Um die Durchführung des Versorgungsausgleichs zu beschleunigen und die Dauer eines Scheidungsverfahrens zu verkürzen, ist die Mitwirkung der Beteiligten erforderlich. Je schneller die Fragebögen zum Versorgungsausgleich eingereicht werden und je schneller auf Rückfragen der Versorgungsträger reagiert wird, desto schneller kann das Familiengericht einen Scheidungstermin anberaumen.

Die Dauer eine Scheidungsverfahrens hängt auch erheblich von dem Geschäftsaufkommen bei den Familiengerichten ab. Insbesondere Folgesachen können ein Scheidungsverfahren langwierig gestalten. Insoweit können Sie davon ausgehen, dass eine einvernehmliche Scheidung schneller zu einem Scheidungstermin führt. Die einvernehmliche Scheidung beinhaltet allerdings in der Regel auch einen Versorgungsausgleich. Oftmals ist es auch nicht notwendig, Folgesachen im Verbundverfahren zu verhandeln, so dass ein isoliertes Folgeverfahren die Entscheidung über die Hauptsache Ehescheidung dann nicht verzögert.

Soweit wichtige Gründe vorliegen, die eine zeitnahe Scheidung notwendig machen, werden die Familiengerichte hierauf jedoch meist Rücksicht nehmen. Dies könnte beispielsweise bei einer Schwangerschaft der Fall sein oder wenn die Durchführung des Ehescheidungsverfahrens etwa durch die Auswanderung einer/eines Beteilgten erheblich erschwert würde.

In diesen und anderen Fällen könnte besipielsweise die Abtrennung des Versorgungsausgleichs das Ehescheidungsverfahren beschleunigen und die Dauer eines Scheidungsverfahrens verkürzen.

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht Jan Hoerner

Scheidungskosten und Steuern

Update: Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 16.10.2014 (Scheidungskosten weiterhin absetzbar).

Bisher konnten Scheidungskosten jedenfalls zum Teil von der Steuer abgesetzt werden.

In § 33 Abs. 2 S. 4 EStG heißt es seit einer Änderung im Jahr 2013 nunmehr:

„Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits (Prozesskosten) sind vom Abzug ausgeschlossen, es sei denn, es handelt sich um Aufwendungen ohne die der Steuerpflichtige Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können. „

Diese Regelung gilt für Rechtstsreitigkeiten im Allgemeinen, aber auch für Scheidungsverfahren und Verfahren über die Aufhebung einer Lebensgemeinschaft.

Diese Gesetzesänderung ist offensichtlich eine Reaktion des Gesetzgebers auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes, der die Absetzbarkeit von Prozesskosten in einem Urteil vom 12. Mai 2011 (VI R 42/10) erleichterte.

Nach der Neufassung von § 33 EStG ist die Absetzbarkeit von Scheidungskosten daher nach dem Gesetzeswortlaut nicht mehr gegeben.

Ich empfehle Ihnen zu prüfen, ob Sie Scheidungskosten dennoch im Mantelbogen angeben und sich den anhängigen Mustervahren anschließen. Anhängig sind derzeit etwa die Verfahren vor dem FG München, Aktenzeichen 13 K 1421/14 sowie Aktenzeichen 15 K 1429/14 und dem FG Münster, Aktenzeichen 9 K 1822/14.

Wenn Sie Fragen zu dem Thema Scheidungskosten und Steuern haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder rufen mich an. Ich berate Sie gern.

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht Jan Hoerner